Kolonie Waldessaum im Radeland e.V.

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Verfasst am 11.08.2021 um 10:00 Uhr

„Gold des Gärtners“ gehört nicht in den Wald    

Wildes Entsorgen von Gartenabfällen kann das ökologische Gleichgewicht zerstören    

Der Rasen ist gemäht, der Strauch beschnitten. Ein gutes Gefühl – doch wohin mit den Gartenabfällen? Baum- oder Rasenschnitt einfach auf Brachflächen, am Wald- oder Wegesrand zu verteilen, ist keine gute Idee. Denn das illegale Ablagern von Gartenabfällen hat viele unerwünschte Effekte.


Die Konkurrenz freut’s

Zum einen werden standorttypische und mitunter seltene Wildpflanzen direkt überschüttet, zum anderen nimmt durch die Abfälle der Nährstoffgehalt im Boden deutlich zu. Das freut konkurrenzstarke, nährstoffliebende Arten wie Brennnesseln und verdrängt Pflanzenarten, die kärgere Böden bevorzugen. Letztere machen jedoch den Großteil unserer einheimischen Wildpflanzen aus. An Waldrändern und -säumen, wo gerne Grünschnitt abgelagert wird, ist das gut erkennbar: Der artenreiche, vielfältige Übergangsbereich von Offenland und Wald wird erheblich verändert und die typischen Pflanzen, wie z.B. Zypressen-Wolfsmilch und Heide-Nelke, verschwinden. Die Gewinner sind Nährstoffliebhaber wie Giersch und Brombeere, die großflächig auftreten und keinen Platz für andere Pflanzen lassen.


Verlierer sind meist blühende Wildpflanzen

Der Gartenabfall trägt außerdem dazu bei, dass sich wertvolle Offenflächen durch den Aufwuchs von Hochstauden und Gehölzen zu Gebüschen und Wäldern verwandeln. Mit Wiesen und Brachen verschwindet meist eine ganze Reihe blühender Wildpflanzen.


Ob Brache, Wiese oder Wald – die Auswirkungen der Gartenabfälle auf die biologische Vielfalt sind verheerend, denn nährstoffarme Flächen mit den daran angepassten Pflanzen- und Tierarten werden immer seltener. Im Extremfall kann sich abgelagerter Rasenschnitt an heißen Tagen durch Gärprozesse stark erhitzen und sogar selbst entzünden. So wurden schon Böschungs- und Waldbrände ausgelöst.


Ausbreitung auch über Wurzeln und Samen

Ein anderes Problem verursachen Wurzeln und Samen im Gartenabfall: Dadurch breiten sich gebietsfremde, invasive Pflanzenarten wie die Kanadische Goldrute aus. Auch die Anpflanzung von Japanischem Staudenknöterich oder Drüsigem Springkraut im eigenen Garten kann so dazu führen, dass diese Pflanzen in der freien Natur verwildern. Das Problem: Einige dieser Pflanzen verändern die Lebensräume unwiderruflich und können, einmal ausgebracht, nicht mehr entfernt werden. Um das zu verhindern, sollten Gartenabfälle und Grünschnitt immer sachgerecht entsorgt werden.


Doch was ist eine sachgerechte Entsorgung? Sie können für Ihre Gartenabfälle zum Beispiel eine Gartentonne der BSR nutzen, die regelmäßig abgeholt wird. Die Tonnengröße und den Rhythmus der Abholung können Sie dabei individuell an Ihre Bedürfnisse anpassen.


Die Alternative: Laubsäcke, für 4 Euro bei der BSR erhältlich. Auch bei anderen Entsorgungsunternehmen ist Ihr Gartenabfall herzlich willkommen. Praktisch: Häufig können Sie dort gleich fertigen Kompost, Holzhäcksel oder andere günstige Schüttware kaufen.


 Aus Abfall wird Kompost

Für ökologisch interessierte Gärtnerinnen und Gärtner, die sich die Entsorgungskosten sparen möchten, ist der eigene Kompost die richtige Alternative. Kompost, nicht umsonst auch „Gold des Gärtners“ genannt, ist ein begehrtes Gut in jedem Garten, denn er enthält alle Hauptnährstoffe und Spurenelemente, die Pflanzen zum Wachsen brauchen. Auch hier gilt: Bitte verteilen Sie überschüssigen Kompost nicht in der freien Landschaft. Was für Ihren Garten gut ist, gefährdet dort die Artenvielfalt. Viel einfacher und ökologischer ist es, Ihre Gartennachbarn mit Ihrem Kompost zu erfreuen!

Und noch etwas kann Ihr eigener Kompost: Als wertvoller Bestandteil Ihrer selbstgemischten Blumenerde hilft er Ihnen, torffrei zu gärtnern.


Torffrei für das Klima

Denn auch für den Klimaschutz können Sie in Ihrem Garten etwas tun: Verzichten Sie auf torfhaltige Blumenerde, sie ist Gift für unser Klima. Durch den Torfabbau werden großflächig Moore zerstört und so nicht nur wichtige Lebensräume vernichtet, sondern auch das im Moor gespeicherte CO2 freigesetzt. In Deutschland ist die Moorfläche von ursprünglich 15.000 km2 auf 150 km2 geschrumpft – mit gewaltigen Auswirkungen auf Biodiversität und Klima.


Achten Sie auf das RAL-Gütesiegel auf torffreien Erden, denn das garantiert ein hochwertiges und ökologisch gutes Produkt. Vorsicht vor Mogelpackungen, denn auch in „torfarmer“ oder Bio-Blumenerde ist noch jede Menge Torf enthalten. Fragen Sie im Handel gezielt nach torffreier Erde oder Torfersatzstoffen – oder mischen Sie sich Ihre Blumenerde einfach selbst. Ihr eigener Kompost ist die beste Basis dafür.


Stiftung Naturschutz Berlin



Textbeitrag aus 'Berliner Gartenfreund', August 2021, Seite 8/24

Foto Illegaler Gartenabfall (Ausschnitt): Moinats, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0