Schachtgärten und Erwerbslosengärten, der Bau der beiden Teiche und die Männer der ersten Stunde.
1931 · 1932 · 1933 · 1936

Schachtgärten und Erwerbslosengärten, der Bau der beiden Teiche und die Männer der ersten Stunde.
1931 · 1932 · 1933 · 1936

Pachtvertrag vom 1. November 1931 mit den Unterschriften der 46 Dölitzer Bergleute
1931
Es entstehen die „Schachtgärten am Teich“
Am 01.11.1931 wurde ein Pachtvertrag zwischen der Gewerkschaft Leipzig-Dölitzer Kohlenwerke und 46 Bergarbeitern zur Errichtung von Kleingartenparzellen, die unter dem Namen „Schachtgärten am Teich“ geführt wurden, unterzeichnet. Es wurde die Fläche der heutigen Gärten Nr. 97–147 zum Zwecke der Haltung von Geflügel, Kaninchen und Ziegen erschlossen. Im Jahre 1932 wurden die „Schachtgärten am Teich“ um das Flurstück erweitert, auf dem heute die Gärten mit den Nr. 148–200 liegen.
DIE GRÜNDER
Unsere Männer der ersten Stunde
Der erste Pachtvertrag vom 01.11.1931 wurde von folgenden Pächtern unterschrieben. Sie waren in ihrer überwiegenden Mehrheit Bergleute des Braunkohlenschachtes Dölitz.
In wirtschaftlich angespannter Zeit hatten sie unter Tage hart zu arbeiten. Mit den in den Folgejahren errichteten Kleingärten verbesserten sie ihre Lebensverhältnisse.

Der alte Dölitzer Teich (hinten die große Eiche)
1933–1936
Die Anlage der beiden Teiche
Der große Teich
In den Jahren 1933 bis 1935 begannen zugleich mit der Errichtung der Parzellen die Arbeiten an den Gemeinschaftsanlagen, wobei die Regulierung des Dölitzer Dorfteiches mit Zu- und Abfluss im Mittelpunkt stand. Die beträchtlichen Erdbewegungen wurden per Hand und mit einfacher Technik ausgeführt. Allmählich entstanden nach der Regulierung des großen Teiches die Kleingartenparzellen mit den Lauben.
Im Jahr 1935 ist der große Teich geflutet. In ihm findet das erste Anbaden statt. An dem damals noch nicht bebauten Ufer befinden sich heute die Gärten 116 bis 119.

Unsere Pioniere bei der Errichtung des Fischteiches

Förderwagen vom Schacht Dölitz zum Transport der Erdmassen
Laut Pachtvertrag für die Errichtung der „Erwerbslosengärten“ bestand die Verpflichtung, einen Teich (unser heutiger kleiner Teich) zur Entwässerung des Sumpfgeländes, auf dem jetzt die große Wiese und die um den kleinen Teich angrenzenden Gärten liegen, anzulegen. Die gewonnenen Erdmassen wurden für die Verfüllung der auf dem Gelände zu Tage tretenden Trichter verwendet.
Im Jahr 1934 war der Aushub des kleinen Teiches in vollem Gange. Unsere Gründer, damals z. T. noch sehr junge Männer, ließen sich in stolzer Pose fotografieren. Hier befinden sich heute die Gärten Nr. 44 bis 46.

Pachtvertrag vom 6. Mai 1932 zwischen dem Johannishospital und der Siedlung "Johannishöhe" als Voraussetzung für die Schaffung der "Erwerbslosengärten"
1932
Es entstehen die „Erwerbslosengärten“
Am 06. Mai 1932 pachtete die Siedlung Johannishöhe in Anlehnung an die vorhandenen Schachtgärten ein Stück Gelände zur Errichtung von Gärten für Erwerbslose für gärtnerische Nutzung und zur Tierhaltung.
Im gleichen Jahr pachtete die Siedlersparte ein weiteres Flurstück zur Erweiterung der Anlage, die die Bezeichnung „Erwerbslosengärten“ führte.
Es wurden Kleingärten angelegt, die auf der Fläche der heutigen Parzellen mit den Nrn. 1–96 lagen.

Unser Gründer Otto Wilke auf einer Lore beim Aushub des kleinen Teiches
1933 · 1936
Der Zusammenschluss zum Verein „An der großen Eiche“
Laut einer Urkunde vom 11. November 1933 sind die Bewirtschafter der „Erwerbslosengärten“ infolge der Neuorganisation des deutschen Kleingartenwesens aus der Siedlung Johannishöhe ausgeschieden und haben sich mit den „Schachtgärten am Teich“ zu dem Gartenverein „An der großen Eiche“ zusammengeschlossen. Am 01.11.1934 wurde ein Pachtvertrag mit dem Gartenverein „An der großen Eiche“ abgeschlossen über:
| 10.741,75 qm | bisher „Schachtgärten am Teich“ |
| 35.720,00 qm | bisher „Erwerbslosengärten“ an der großen Eiche |
| 24.300,00 qm | neu hinzugekommenes Gelände zu den „Schachtgärten am Teich“ |
| 70.761,75 qm | insgesamt, Pachtzins je qm und Jahr 2 Pfg. = 1.415,23 RM |
Gleichzeitig wurden 5.500,00 qm Anger für Kleinvieh hinter der Aschenhalde verpachtet, wofür wie bisher ein Jahrespachtzins von RM 10,00 zu zahlen war.
Die Mitglieder der „Schachtgärten am Teich“ haben die neue Bezeichnung „An der großen Eiche“ nicht sofort akzeptiert. Erst am 16.02.1936 beschlossen sie, den Namen zu ändern. Die erste nachweisbare Eintragung des Kleingartenvereins „An der großen Eiche“ in das Vereinsregister beim Amtsgericht Leipzig (Nr. 1831) ist mit dem 13.03.1936 vorgenommen worden.
Somit war der Zusammenschluss zu einer Kleingartenanlage vollzogen. In der Folgezeit fanden viele Erwerbslose Arbeit auf dem Schacht Dölitz, weshalb die Bergleute dieses Schachtes weiterhin dominierten.
BIS HEUTE
Neun Nachfahren unserer Gründer
Von unseren 200 Kleingärten sind 9 in Familienbesitz geblieben. Sie werden heute von den Kindern oder Enkeln der Gründer bewirtschaftet.
In den „Schachtgärten am Teich“
| GRÜNDER | LEBENSDATEN | NACHFAHRE | GARTEN |
|---|---|---|---|
| Fritz Gößner | 11.09.1911 – 07.11.1997 | Vater des Helmut Gößner | Nr. 139 |
| Karl Pönicke | 05.09.1887 – 25.12.1959 | Großvater des Wilfried Pönicke | Nr. 175 |
| Gabriel Pacholek | 24.03.1890 – 18.12.1970 | Vater der Eleonore Klemke, Großvater des Holger Klemke | Nr. 112 |
| Robert Randolph | 25.08.1891 – 30.04.1968 | Großvater der Renata Scharmacher | Nr. 140 |
| Otto Wilke | 23.09.1909 – 13.01.1988 | Vater des Frank Wilke (50 Jahre Mitgliedschaft, geehrt 1981) |
| GRÜNDER | LEBENSDATEN | NACHFAHRE | GARTEN |
|---|---|---|---|
| Gerhard Küchler | 22.04.1912 – 01.12.1978 | Vater der Marianne Werchau | Nr. 45 |
| Rudolf Lentz | 21.01.1873 – 20.03.1956 | Großvater des Bernd Henke | Nr. 29 |
| Richard Lehmann | 12.07.1886 – 26.03.1953 | Großvater der Johanna Wohlrab | Nr. 52 |
| Werner Ulrich | 15.07.1908 – 26.07.1968 | Vater des Manfred Ulrich | Nr. 56 |
Eine Annonce aus dem Jahr 1960 berichtet, dass Herr Gerhard Küchler einen zweijährigen Jungen vom Tode des Ertrinkens in der Kleingartensparte „An der großen Eiche“ rettete.
1933
Pachtzahlungen im Jahr 1933
Aus heutiger Sicht hat es den Anschein, dass am Anfang die Pachten sehr niedrig waren. Das belegt ein Dokument über die Pachtzahlungen des damaligen Pächters Erich Müller, der für seinen Garten mit 385,02 qm Fläche eine Jahrespacht von 7,70 M zu zahlen hatte. Für damalige Verhältnisse war das sicherlich viel Geld.


Pachtbelege des Erich Müller aus dem Jahr 1933